Besser geht´s (fast) nicht

Nach nun schon knapp vier Monaten des Kennenlernens, fehlt hier noch Junas Geburtsgeschichte, deshalb:

Es ist Sonntag, der 24.07.11 und noch 19 Tage bis zum errechneten Entbindungstermin. Nach dem obligatorischen Pfannkuchenfrühstück haben wir Karo verabschiedet, die uns die letzten paar Tage besucht hat. Dabei hat sie unter anderem den Himmel für das Babybett genäht. Thomas und ich haben den Tag dann noch zum räumen genutzt und Amelie hat sehr schön gespielt. Am späten Nachmittag bemerke ich eine Veränderung am Muttermund und teile dies Thomas mit. Er fragt, wie lange es denn nun noch bis zur Geburt dauern könne, ich antworte ihm, dass es 16 Stunden (wie bei Amelies Geburt) oder auch noch 14 Tage dauern kann. :-)

Montag, 25.07.11. Ich wache sehr erholt und voller Energie auf, das gab es in den letzten Wochen nicht mehr. Ich nutze den Vormittag um durch die Wohnung zu wirbeln und noch dieses und jenes aufzuräumen. Außerdem melde ich mich bei Katja, einer meiner Hebammen, die ab diesem Tag wieder aus dem Urlaub zurück ist. Am Nachmittag schwinge ich mich bepackt mit einer schweren Tasche voller Bücher auf´s Fahrrad und hole Amelie ab. Wir fahren in die Bücherhalle und verbringen dort einen netten Nachmittag.

Dienstag, 26.07.11. Wieder wache ich voller Energie auf, ich hatte schon tags zuvor beschlossen, heute morgen zum Schwangerenschwimmen ins Holthusenbad zu gehen. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen dies viel öfter zu tun während meines Mutterschutzes nur irgendwie hat es nie geklappt. Ich wünsche mir ja für diese Entbindung eine Wassergeburt.

Nach dem Schwimmen treffe ich auf dem Weg zum Mittagessen Hannes und wir verabreden uns für den Nachmittag zum Eisessen und Spielplatz mit den beiden Kids. Gleicher Ablauf wie am Montag, mit dem Fahrrad samt Anhänger hole ich Amelie ab, wir treffen Hannes und Luis, schlecken zuerst Eis in der Eiszeit und spielen dann auf dem sehr gut besuchten Goldbekspielplatz. Kurz vor der Abendbrotzeit fahren wir alle nach Hause, zur Verabschiedung sage ich noch, wenn wir dann nicht schon zu viert sind, können wir uns ja am Samstag im Garten treffen.

Mittwoch 27.07.11 Um ca. 04:15 Uhr wache ich auf, ich habe Bauchschmerzen und schiebe das auf die träge Verdauung. Wie alle, die schon einmal schwanger waren, bestimmt bestätigen können, ist man erstmal wach, dann muss man auch aufs Klo. Ich stehe also auf und in diesem Moment platzt die Fruchtblase. Zu spüren ist nur, dass mir etwas die Beine hinunterläuft. Selbst in diesem Moment, als Zweitgebärende (mit dem gleichen Geburtsbeginn wie bei Amelie), bin ich mir noch nicht sicher, dass es nun tatsächlich losgeht. Ich verfolge also den ursprünglichen “Plan” und gehe ins Bad, beobachte ob die “Bauchschmerzen” wiederkommen. Und das tun sie. Nach einigen Minuten beschließe ich, das sind Wehen. Ich ziehe mich an und rufe um 04:43 Uhr die Funknummer meiner Beleghebammen an. Während ich auf den Rückruf warte, informiere ich Thomas, der bei Amelie geschlafen hat. Er hat mich bereits gehört und war schon wach.

Um 04:47 Uhr ruft Delia zurück. Sie lässt sich von mir beschreiben, was los ist und fragt mich, was ich tun möchte. Ich sage, ich wisse es auch nicht und vielleicht sollte ich nochmals zuhause kurz warten, wie die Wehen sich entwickeln. Sie schlägt vor direkt loszufahren und sie im Krankenhaus zu treffen.

Thomas hat sich währenddessen auch angezogen und bei den Nachbarn geklingelt, denn wir dürfen ihr Auto ausleihen und Daniela wird solange auf die schlafende Amelie aufpassen bis unsere Storchenbabysitterin Sarah eingetroffen ist. Die rufe ich nach dem Gespräch mit Delia selbst noch an und sage nur, es ist soweit.

Thomas ist losgelaufen, um das Auto zu holen, zuvor habe ich überprüft, ob wir alles dabei haben und den Mutterpass noch in die Kliniktasche gepackt.

Ich warte unten vor der Tür auf Thomas mit dem Auto. Die Wehen kommen regelmäßig in ca. 5min Abständen, sind aber sehr gut auszuhalten und zu veratmen. Instinktiv bewege ich zur Wehenbearbeitung das Becken hin und her. Vor der Türe denke ich, was für ein schöner, warmer Tag, ein toller Tag zum geboren werden. Es ist ca. 5 Uhr.
Ich muss nur kurz warten, dann ist Thomas schon da, an seinem noch schnellem Atem erkenne ich, dass er zum Auto gejoggt ist. Anfangs hören wir noch kurz dem Autoradio zu, dann stecke ich mir die Kopfhörer ins Ohr und höre, wie schon vor gut drei Jahren, Meditationsmusik. Ich höre aber immer nur das gleiche Lied und beginne mitzusingen, wenn die Wehen zu stark werden, veratme ich sie zwischen dem Singen.

Wir fahren in den schon hellen Morgen und um uns herum erwacht langsam die Stadt, auf den Straßen ist aber noch sehr wenig Betrieb. Um 05:20 Uhr kommen wir in Henstedt - Ulzburg an, parken auf dem Storchenparkplatz und sagen bei der Anmeldung nur “wir sind zur Geburt hier”. Da wir wissen, wo es zum Kreissaal geht, gehen wir gleich weiter. Um 05:25 Uhr sind wir im Kreissaal, Delia ist auch schon da.

Hier mal ein ganz kurzer Rückblick: So viel anders war die Situation bei Amelies Geburt, schon vor der Autofahrt hatte ich sehr kräftige Wehen, ich kam schreiend vor Schmerz in der Klinik an und wurde auf dem Weg in den Kreissaal gestützt. Ansprechbar war ich kaum noch, ich war richtig in Trance.

Heute ist alles viel erträglicher, ich habe das Gefühl die Wehen gut beatmen zu können, ich bin ganz klar.

Im Kreissaal ist das Wasser in der Gebärwanne bereits eingelassen, Delia legt mir lediglich den CTG - Gurt an und um 05:30 Uhr steige ich in die Wanne. Das warme Wasser ist angenehm und tut gut. die Wehenabstände verringern sich auf 2-3min und die Wehen werden stärker. Der Schmerz ist hauptsächlich im unteren Rücken zu spüren. Noch immer kann ich die Wehen gut beatmen, klar tut es trotzdem ordentlich weh, aber ich merke, wie die Atmung hilft. Im Wasser wechsel ich häufig die Positionen und immer bewege ich das Becken hin und her. Ich bitte Thomas zwischendurch mir etwas zu trinken zu geben und ich esse sogar ein paar Bissen eines Kraftriegels. Thomas sitzt neben der Wanne. Delia hält sich sehr im Hintergrund.

Als der Schmerz noch stärker wird, weise ich Thomas an seine Hand auf meinen Rücken zu legen. Zumeist bin ich im Vierfüßlerstand in der Wanne oder hocke halb. Ab ca. 6 Uhr wird der Druck des Babies nach unten stärker, ich atme weiterhin viel und höre mich wahrscheinlich an, wie eine Dampflok. Jetzt ist es anstrengend, aber trotzdem noch auszuhalten.

Ich jammere einmal, dass es so wehtut. Nach ein paar weiteren Wehen sage, ich hätte nun keine Lust mehr. Delia bietet mir einen Positionswechsel an, sie hat ein gerolltes Handtuch um einen der Wasserhähne gelegt, daran kann ich mich festhalten. Ich brauche einen Moment, bis ich eine passende Position gefunden habe. Ich merke nun, dass ich jetzt pressen muss, wenn ich will, dass das Baby bald kommt.

Dieses Gefühl ist fast unbeschreiblich, ich denke ich will nicht in den Schmerz arbeiten und spüre doch sehr deutlich, wie hilfreich das pressen ist. Ich kann spüren, wie das Kind in mir noch tiefer rutscht, ich kann spüren, dass es jetzt gleich kommt. Ich schreie laut auf und da ist der Kopf schon da, es dauert ein paaar Sekunden und die nächste Wehe kommt, ich presse mit und spüre ganz genau, wie das Baby ganz aus mir herausgleitet. Es ist 06:34 Uhr, Juna ist da! Eine Minute zuvor geht Delia zur Tür, um der diensthabenden Ärztin Bescheid zu sagen, da im Moment der Geburt eine Ärztin anwesend sein muss, genau in diesem Moment schlüpft Juna und ich höre Delia sagen: “Oh ist schon da!”
Ich nehme sie hoch auf meine Brust und lege mich mit ihr bequem in die Wanne. Thomas und ich begrüßen unsere zweite Tochter. Juna ist ganz ruhig und guckt uns nur mit großen Augen an. Ihr Blick sagt, ich komme von weit her und habe schon viel erlebt. Noch im Wasser hört Delia sie kurz ab, alles okay. Juna bekommt ein Handtuch übergelegt, noch immer begrüßen wir sie und sagen ihren Namen. Die Nabelschnur pulsiert schnell aus und Juna wird immer noch im Wasser, abgenabelt.

Um 7 Uhr steige ich aus der Wanne, Juna ist auf Thomas Arm. Nun kommt der Grund für das “fast” im Titel. Leider hat sich die Plazenta immer noch nicht blicken lassen. Bei Amelies Geburt wurde die Plazenta exakt 2 (!!) Minuten nach ihr geboren. Unangenehm ist, dass ich immer noch Wehen habe, darauf habe ich nun echt keine Lust mehr. Um die Wehen zu verarbeiten, laufe ich im Kreisaal herum, stützte mich auf, gehe zur Toilette. Um 07:15 Uhr spritzt Delia mir Oxytocin, um die Lösung der Plazenta anzuregen. ich denke mir, naja toll, Wehenhormon, darauf habe ich erst recht keine Lust, da ich befürchte noch stärkere Wehen zu bekommen. Die Wehen werden zum Glück aber nicht noch unangenehmer. Die Ärztin bietet mir den Gebärhocker an, ich setzte mich darauf und sie zieht sanft an der Nabelschnur und um 07:19 uhr ist also auch endlich die Plazenta da.

Ich lege mich aufs Bett und kann endlich auch Juna wieder nehmen und lege sie auf meine Brust, das ist das beste Gefühl von allen! So ein frisches Neugeborenes auf der nackten Brust. Juna hatte, wie auch schon Amelie, super Werte und muss noch nicht gleich untersucht werden. So kuscheln wir nun erstmal zu dritt auf dem Bett. Um 8 Uhr trinkt Juna das erstemal Muttermilch. Klappt gut.

Kurz danach näht die Ärztin noch meinen kleinen Dammriss. Auch das ist soviel besser, als damals bei Amelies Geburt, denn es dauert nur 10min und nicht eine ganze Stunde. Ich stille nochmal.

Um 9 Uhr wird bei Juna die U1 gemacht, d.h. sie wird gemessen und gewogen, ich schaue vom Bett aus zu, Thomas hilft mit und steht neben der Ärztin.

Danach gehe ich ins kreissaaleigene Bad und dusche mich. Beim Anziehen hilft Thomas mir und zieht danach Juna an. Wir dürfen uns noch eine von Christinas Mama selbstgetrickte Mütze für Juna aussuchen, wir frühstücken und ruhen uns auf dem Bett aus.

Juna ist das 500. Baby in der Paracelsus Klinik in diesem Jahr und wir haben einer Veröffentlichung zugestimmt. So kommen um 9:45 Uhr der Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit, eine Fotografin und die Schwesternstationsleitung mit einem Blumenstrauß (in rosa) in den Kreissaal gratulieren uns und machen ein Foto für die Zeitung.

Um kurz vor halb elf werden nochmals meine Werte gecheckt, Kreislauf und Temperatur sind super, wir können gehen. Zuvor haben wir noch den Papierkram erledigt und einige Kleinigkeiten von Delia bekommen.

Da ich mich sehr fit fühle, trage ich Juna selbst ins Auto, es ist super warm draußen. Mit Glück im Herzen und auf dem Arm verlassen wir um 10:30 Uhr die Klinik und fahren nach Hause.

Am Nachmittag gegen 15 Uhr lernt Amelie ihre kleine Schwester kennen. Nun sind wir zu viert!

Das Wochenbett verläuft sehr gut, ich fühle mich gut und erstaunlich fit. Einzig die ersten drei Tage nerven mich die schmerzhaften Nachwehen.

Die Geburt war so toll, dass ich zu Thomas bereits im Kreissaal sagte, also so könnte ich das locker nochmal ;-)

2 Kommentare zu “Besser geht´s (fast) nicht”

  1. Anna

    Liebste Melanie, wie schön, das hier zu lesen, mit der Erinnerung an Junas riesengroßes, zahnloses Lächeln von gestern noch ganz frisch im Gedächnis :-)

  2. Gisi

    Liebe Melanie,

    das hört sich ja nach einer wirklich traumhaften Geburt an. Was für ein Geschenk und was für ein Glück! Ich freue mich mit Euch. Vielen Dank für die Schilderung, die den Eindruck vermittelt, dass Du ungestört von der sonst mal vorkommenden Klinik-Bürokratie Deine Geburtsarbeit leisten konntest.

    Und dass Thomas zum Auto gejoggt ist, wundert mich bei Eurem Tempo auch schon bei Eurer 1. Geburt überhaupt nicht.

    Liebe Grüße an Euch alle

    Gisi

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