Entschieden

Heute habe ich endlich unsere Briefwahl(abstimungs)unterlagen zur Schulreform in den Breifkasten geworfen.

Wir haben für die Primarschule gestimmt! Ich hoffe sehr, dass durch dieses Konzept etwas mehr Bildungsgerechtigkeit erreicht werden kann. Die Umstellung auf Primarschule wird zwar als alleinige Maßnahme nicht ausreichend sein, aber ist vielleicht der erste Schritt in die richtige Richtung.

Vielleicht hat nun die ein oder andere schon herausgelesen, dass meine/ unsere Entscheidung scheinbar auch nicht aus vollem Herzen getroffen wurde und das stimmt zumindest für meinen Teil auch. Ich habe kürzlich ein sehr spannendes Dossier in der Zeit gelesen und da wurde die Maßnahme Primarschule, zwar nicht grundsätzlich als falsch aber eben als unzureichend zur Verbesserung der Bildungsgerechtigkeit dargestellt.

Wer sich jedoch ernsthaft mit den Zielen der Initiative “Wir wollen lernen” beschäftigt hat und nicht selbst zu deren “Dunstkreis” gehört, muss wohl auch eingestehen, dass es dort darum geht weiterhin in der monetären Elite unter sich zu bleiben. Interessanter Beitrag dazu findet sich hier.

Bleibt also noch die Alternative nicht wählen, die ich auch ernsthaft in Erwägung gezogen habe, da bei nicht ausreichender Stimmzahl für den Volksentscheid, automatisch die Vorlage der Bürgerschaft, sprich Primarschule gilt. Aber ich denke eben auch immer Demokratie lebt vom Mitmachen und wenn nun die Initiative “Wir wollen lernen” genug Leute mobilisiert, zeigt sich wieder nur einmal, Geld regiert die Welt und da wollte ich mein Kreuz dann doch dagegen setzen.

Wie seht ihr das, Primarschule oder nicht?

Ein Kommentar zu “Entschieden”

  1. Bastian

    Man kann zwischen den Zeilen Deines Beitrags herauslesen, dass dieses Thema Dich ordentlich aufregt. Über das Schulwesen ausgerechnet in Hamburg und seine Vor- und Nachteile weiß ich als Außenstehender natürlich nix, weshalb ich in die Debatte jetzt nicht einsteige - zumal die Entscheidung eh am 18. Juli bereits gefallen ist.

    Traurig ist, wenn bei einer Reform, zu der man sich ja nur durchringt weil die Gegenwart untragbar geworden ist, nach jahrelangem Gezänk und Gezerre am Ende eine völlig verstümmelte Lösung rauskommt, die allen anbiedert und niemanden richtig zufrieden stellt. Keines der beiden Lager (gibt es denn nur zwei?) dürfte mit dem Entscheid so “richtig” zufrieden sein. Ist in Deutschland häufig so - alle kommen zu Wort, jede Lobby schlägt mit der Faust auf den Tisch, meist verschlingt die Administration derartiger Fragen auch noch einige tausend oder Millionen Euro, und am Ende müssen alle Reste essen.

    Über die Nachteile des “deutschen” Schulsystems (lassen wir die Hamburger Spezialitäten heute mal draußen, mir zu Liebe) haben wir beide schon einige Male geredet und waren uns auch in einigen Punkten einig. Analysen von Pisa-Ergebnissen und, was ich persönlich immer sehr beeindruckend finde und was vor allem völlig kostenlos und bürokratiefrei ist, der Blick ins europäische Ausland zeigen ganz klar, WO Verbesserungen nötig und, genau so wichtig, WIE sie möglich sind.

    Aber die Mehrheit der Wähler scheint in diesem System den richtigen Weg für die Zukunft ihrer Kindes zu sehen, und das ist eine Zukunft, die sich innerhalb der nächsten 10 Jahre entscheidet. Auch, wenn das Deinen Prinzipien zuwider ist (meinen übrigens auch): mach das Beste draus, denn betroffen ist auch Dein Kind. Du als Hamburger Mutter hast das Recht, Dein Kind mit 10 Jahren zum Gymnasium anzumelden, und von diesem Recht solltest Du m. E. Gebrauch machen. Wer zukünftig das Gymnasium abschließt, wird nicht zwangsläufig beruflichen Erfolg haben im Leben - sondern wird die Chance haben, beruflichen Erfolg zu haben.

    Durch das Beschlossene werden die Abschlüsse aller Schulformen weiter entwertet. Welche Kinder werden denn überhaupt noch andere Schulformen besuchen als das Gymnasium? Kinder ohne Kopf? Überspitzt gesagt, wird doch ab sofort das Gymnasium die einzige Schulform sein, in der überhaupt noch Bildung stattfindet. Auf dem Gymnasium werden über- und unterdurchschnittlich leistungsfähige Schüler noch undifferenzierter über den gleichen Kamm geschoren werden (die perfekte Gesamtschule, endlich!) - der eine ist schwach und wird gefördert, der andere ist stark und wird behindert. Die anderen Schulformen verkommen zu Verwahranstalten für Kinder, die für Bildung ungeeignet sind.

    Wird es denn irgendwann in der Laufbahn eines Schülers, meinetwegen nach Klasse 6, einen Punkt geben, an dem er vom Gymnasium verwiesen werden kann? Nach Klasse 6, durch Entscheidung des Lehrerbeirats? Dann haben wir praktisch eine Primarschule. Wenn die Eltern = Wähler das wiederum nicht zulassen, wird die Polarisierung anders stattfinden müssen, z. B. durch Auftrennung der Schüler in Zweige, Klassen oder Kurse unterschiedlichen Leistungsniveaus innerhalb einer Schule = Gymnasiums. Wenn auch das versagt, und ein Abitur allgemein verfügbar wird, werden Hochschulen und Wirtschaft Wege finden, um spätestens an ihren Eingangstüren “Spreu von Weizen” zu trennen.

    Nicht mehr im Kindesalter oder als Jugendlicher muss sich ein Mensch also zukünftig beweisen, sondern erst als junger Erwachsener.

    Was meinst Du dazu?

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